In diesem Artikel lernst du praktisch, wie du die richtige Kombination aus Spindelzahl, Vorschub und Schnittiefe findest. Du erfährst, woran du die wichtigsten Störzeichen erkennst. Du bekommst einfache Regeln zur Material- und Werkzeugwahl. Du lernst, wie du speziell bei Holz, MDF, Kunststoff und Aluminium vorgehst. Du erfährst, wie kleine Änderungen an der Geschwindigkeit das Ergebnis sofort verbessern.
Am Ende kannst du gezielt einstellen, statt zu raten. Du wirst weniger Ausrisse haben. Du vermeidest Rauch, reduzierst Werkzeugverschleiß und erzielst bessere Oberflächen. Dieser Ratgeber gibt dir praktische Schritte zum Ausprobieren und klare Kriterien, wann du nachjustieren musst.
Welche Parameter bestimmen die Fräsgeschwindigkeit?
Mehrere Größen wirken zusammen. Drehzahl (RPM) bestimmt die Schnittgeschwindigkeit an der Werkzeugkante. Vorschub legt fest, wie viel Material pro Minute entfernt wird. Zustellung ist die Schnitttiefe pro Durchgang. Spanvolumen oder Chipload sagt, wie viel Material pro Zahn und Umdrehung abgehoben wird. Außerdem spielen Werkzeugdurchmesser und Materialart eine große Rolle.
Die Empfehlungen leitest du in drei Schritten ab. Zuerst das Material wählen. Dann Fräserdurchmesser und Anzahl der Zähne bestimmen. Schließlich ein sinnvolles Chipload-Ziel aus Tabellenwerten wählen. Mit der Formel kannst du den Vorschub berechnen:
Vorschub (mm/min) = RPM × Zähne × Chipload (mm/Zahn)
Wichtig sind kleine Tests. Beginne mit moderaten Werten. Prüfe Schnittbild und Temperatur. Passe dann Drehzahl, Vorschub oder Zustellung in kleinen Schritten an. Wenn es raucht, die Oberfläche schmierig wirkt oder der Fräser schnell stumpf wird, ist die Schnittkombination nicht optimal.
Praktische Richtwerte für Drehzahl, Vorschub und Chipload
Die folgende Tabelle gibt praxisnahe Startwerte. Sie gelten als Orientierung für Einsteiger. Als Annahme dient ein Fräser mit 2 Zähnen und moderate Zustellung. Passe Werte bei größeren Zustellungen oder anderer Zahnzahl an.
| Material | Fräser Ø | Drehzahl (RPM) | Vorschub (mm/min) | Spanvolumen / Chipload (mm/Zahn) |
|---|---|---|---|---|
| Weichholz | 3 mm | 18.000 | 1.400 – 2.900 | 0,04 – 0,08 |
| Weichholz | 6 mm | 16.000 | 1.600 – 3.200 | 0,05 – 0,10 |
| Hartholz | 3 mm | 18.000 | 1.080 – 2.160 | 0,03 – 0,06 |
| Hartholz | 12 mm | 10.000 | 1.000 – 2.000 | 0,05 – 0,10 |
| MDF | 6 mm | 16.000 | 1.600 – 3.200 | 0,05 – 0,10 |
| Aluminium (weich) | 3 mm | 16.000 | 320 – 960 | 0,01 – 0,03 |
| Aluminium (weich) | 6 mm | 12.000 | 480 – 960 | 0,02 – 0,04 |
| Kunststoff (Acryl) | 3 mm | 18.000 | 1.080 – 2.160 | 0,03 – 0,06 |
| Kunststoff (Acryl) | 12 mm | 12.000 | 1.200 – 2.400 | 0,05 – 0,10 |
Hinweis: Die Werte sind Startpunkte. Sie gelten bei moderater Zustellung. Die tatsächliche Vorschubrate hängt von der Zahl der Zähne ab. Bei 3 oder mehr Zähnen rechnet sich der Vorschub entsprechend höher. Bei größerer Zustellung reduziere das Chipload oder den Vorschub.
Fazit: Nutze die Tabelle als Ausgangspunkt. Berechne den Vorschub mit der Formel und teste kurz. Beobachte Schnittbild, Temperatur und Werkzeugverschleiß. Anpassungen sind normal. So vermeidest du Rauch, Ausrisse und zu schnellen Verschleiß.
Welche Methode passt zu deinem Profil?
Hobby-Heimwerker mit Handoberfräse
Du arbeitest meist manuell. Du willst sichere und reproduzierbare Ergebnisse. Priorität hat Sicherheit und saubere Kanten. Wähle moderate Drehzahlen und eher kleinere Zustellungen. Arbeite in mehreren flachen Durchgängen. Teste Einstellungen an Restholz. Achte auf feste Spannmittel und zwei Hände an der Maschine. Nutze testen, langsam erhöhen als Methode. Wenn es raucht oder die Kante ausreißt, reduziere Vorschub oder Zustellung.
Semiprofessionelle Möbeltischler
Du brauchst gute Oberflächen und lange Werkzeuglebensdauer. Priorität sind Genauigkeit und Materialschutz. Arbeite mit frischen, scharfen Fräsern. Nutze Herstellerangaben für Chipload und passe bei größeren Fräsern die Vorschubrate an. Setze auf konstante, etwas höherere Vorschübe statt auf extremes Drehen. Verwende Spanabfuhr und wenn nötig Kühl- oder Schmiermittel bei Aluminium. Dokumentiere erfolgreiche Einstellungen für wiederholbare Ergebnisse.
CNC-Anwender
Automatisierte Abläufe erlauben präzise Einstellung. Priorität ist Durchsatz ohne Qualitätseinbußen. Berechne Vorschub mit der Formel Vorschub = RPM × Zähne × Chipload. Nutze CAM-Software und Herstellerdaten. Teste neue Kombinationen in einer Simulation oder an Probeblöcken. Vermeide Schwingungen durch passende Fräsergeometrie und ausreichende Einspannung. Passe Parameter pro Material und Werkzeug systematisch an.
Anfänger ohne Messwerkzeuge
Du hast keine feinen Messmittel. Setze auf einfache, sichere Regeln. Beginne mit niedriger Drehzahl und geringer Zustellung. Mache kurze Testfahrten und prüfe Schnittbild, Wärmeentwicklung und Geruch. Achte auf feine, gleichmäßige Späne. Sind die Späne zu pulverig oder schmilzt das Material, dreh zurück. Merke dir die Einstellungen, die funktionieren. Später lohnt sich die Anschaffung eines einfachen Drehzahlmessers oder Messschiebers.
Praktischer Tipp: Unabhängig vom Profil ist das Testen unerlässlich. Kleine Anpassungen vermeiden große Fehler. Beobachte Späne, Oberfläche und Werkzeugverschleiß. So findest du die richtige Balance zwischen Geschwindigkeit, Qualität und Lebensdauer.
Wie triffst du die richtige Wahl?
Vor jeder Fräsaufgabe lohnt sich ein kurzer Abgleich. Drei klare Fragen helfen dir, die Auswahl einzugrenzen. Die Antworten geben dir eine praktische Richtung. Du vermeidest damit Blindflüge und hohe Werkzeugkosten.
Welches Material und welcher Fräserdurchmesser?
Material bestimmt Chipverhalten und Wärmeentwicklung. Holz, MDF, Kunststoff und Aluminium verhalten sich sehr unterschiedlich. Kleine Fräser benötigen in der Regel höhere Drehzahlen und geringere Spanvolumen pro Zahn. Große Fräser laufen langsamer, entfernen aber pro Zahn mehr Material. Praktisch heißt das: wähle eine Drehzahl im empfohlenen Bereich für das Material. Reduziere die Zustellung bei kleinen Durchmessern.
Welche Oberflächenqualität willst du erreichen?
Feine Oberflächen brauchen kleinere Spanvolumen und oft höhere Schnittgeschwindigkeit. Grobe Schnitte vertragen höhere Zustellungen. Wenn die Oberfläche kritisch ist, arbeite in mehreren dünnen Durchgängen. Bei reinen Rohteilen kannst du aggressiver fräsen, um Zeit zu sparen.
Wie leistungsfähig ist deine Maschine und Steuerung?
Die Maschine begrenzt Drehzahl und Vorschub. Eine schwache Spindel überhitzt bei hohen Lasten. Eine einfache Steuerung hat ruckartige Beschleunigungen. Prüfe die maximalen RPM und die erreichbaren Vorschubraten. Stelle konservativ ein, wenn Unsicherheit besteht.
Unterschiedliche Quellen nennen oft leicht abweichende Werte. Das liegt an Fräsergeometrie und Zustellung. Verlass dich nicht blind auf eine Tabelle. Nutze sie als Startpunkt. Mache einen Testschnitt. Beobachte Späne, Wärme und Oberfläche. Passe nur eine Größe gleichzeitig an.
Handlungsempfehlung: Beginne konservativ mit moderater Drehzahl, kleiner Zustellung und einem niedrigen Chipload. Berechne den Vorschub grob mit der bekannten Formel oder nutze Tabellenvorschläge. Führe einen kurzen Testschnitt durch. Erhöhe Vorschub oder Zustellung schrittweise, bis Schnittbild und Temperatur passen. So findest du sicher die optimale Fräsgeschwindigkeit.
Typische Anwendungsfälle, bei denen die Fräsgeschwindigkeit entscheidend ist
Kantenprofilierung mit der Handoberfräse
Beim Kantenprofilieren arbeitest du oft mit einem Profilfräser und freihändig. Die Kombination aus hoher Drehzahl und zu schnellem Vorschub führt leicht zu Ausrissen an der Kante. Zu niedrige Drehzahl oder zu langsamer Vorschub erzeugt rauhe Flanken und erhöht den Verschleiß. Deshalb ist eine moderate Drehzahl und ein gleichmäßiger, kontrollierter Vorschub wichtig. Arbeite in mehreren dünnen Durchgängen bei großen Profilen. Gleichmäßigkeit und Kontrolle sichern die saubere Kante.
Tiefenplunge für Scharniere
Beim Eintauchen in Holz für Scharniere ist die Belastung auf den Fräser hoch. Eine zu hohe Vorschubgeschwindigkeit kann zu Fasen, Ausrissen oder zum Verkanten des Fräsers führen. Zu geringe Vorschubgeschwindigkeit oder zu hohe Drehzahl kann zu Verkokungen und erhöhter Hitze führen. Setze geringere Zustellungen pro Durchgang. Nutze einen scharfen Fräser und kontrolliere die Späne. Saubere Spanabfuhr und abgestimmte Geschwindigkeit verhindern Überhitzung und Ungenauigkeit.
Nut- und Taschenfräsen auf der CNC
Beim Taschenfräsen entfernst du größere Materialmengen. Hier entscheidet die Kombination aus RPM, Vorschub und Zustellung über Effizienz und Werkzeugleben. Zu aggressive Einstellungen erzeugen hohe Schnittkräfte. Das führt zu Schwingungen, schlechter Oberflächengüte und im schlimmsten Fall Werkzeugbruch. Zu konservative Einstellungen verlängern die Bearbeitungszeit unnötig. Plane mehrere Durchgänge mit moderater Zustellung. Berechne den Vorschub über Chipload. Balance zwischen Materialabtrag und Stabilität ist das Ziel.
Konturfräsen von Plexiglas
Plexiglas reagiert empfindlich auf Wärme. Zu hohe Drehzahlen oder zu langsamer Vorschub lassen das Material schmelzen. Das zeigt sich in glänzenden, verklebten Schnittkanten. Zu schneller Vorschub erzeugt Risse oder Absplitterungen. Verwende scharfe Fräser mit geeigneter Geometrie. Erhöhe den Vorschub so weit wie möglich, ohne dass die Oberfläche ausreißt. Das reduziert Wärme und liefert klare Kanten.
Konturfräsen von Aluminium
Aluminium erfordert andere Werte als Holz. Falsche Kombinationen verursachen Schmelzen am Fräser, schlechte Spanabfuhr und sehr schnellen Verschleiß. Zu geringe Schnittgeschwindigkeit mit hohem Vorschub verstopft die Schneiden. Zu hohe Drehzahl mit zu geringem Vorschub erhöht die Reibung. Nutze geeignete Fräser für Metall. Achte auf Schmierung und saubere Späne. Gute Spanabfuhr und passende Chiploads sorgen für langlebige Werkzeuge und saubere Flächen.
In allen Fällen gilt: Beobachte Späne, Geräusch und Wärme. Späne sind ein direkter Indikator für die richtige Einstellung. Kleine Testschnitte sind schnell und geben klare Hinweise. Falsche Einstellungen führen zu Ausrissen, Schmelzen, rauen Oberflächen oder Werkzeugbruch. Richtige Geschwindigkeit verlängert die Werkzeuglebensdauer und verbessert das Ergebnis.
Häufige Fragen zur Fräsgeschwindigkeit
Was ist wichtiger, höhere RPM oder höherer Vorschub?
Beide Größen sind wichtig und wirken zusammen. RPM bestimmt die Schnittgeschwindigkeit an der Schneide. Vorschub legt fest, wie viel Material pro Minute entfernt wird. Passe beide so an, dass das Chipload im empfohlenen Bereich liegt.
Wie berechne ich das Chipload und den passenden Vorschub?
Chipload ist die Spanstärke pro Zahn und Umdrehung. Die Formel lautet Vorschub = RPM × Zähne × Chipload. Wähle ein realistisches Chipload aus Tabellen oder Herstellerangaben. Führe einen Testschnitt durch und passe den Wert bei Bedarf an.
Wie mache ich einen sinnvollen Testschnitt?
Starte mit moderater Drehzahl, geringer Zustellung und einem niedrigen Chipload. Fräse ein kurzes Stück Restmaterial und prüfe Späne, Oberfläche und Wärme. Erhöhe Vorschub oder Zustellung schrittweise, wenn alles sauber bleibt. Bei Rauch, klebrigen Spänen oder Ausrissen zurückgehen.
Was tun, wenn die Maschine vibriert oder das Ergebnis wellig wird?
Vibrationen deuten auf zu hohe Schnittkräfte oder schlechte Spannverhältnisse hin. Reduziere Vorschub oder Zustellung. Prüfe Einspannung von Werkstück und Werkzeug. Setze einen stabileren Fräser oder niedrigere Drehzahl ein, falls nötig.
Wie passe ich die Werte für verschiedene Materialien an?
Material beeinflusst Spanbildung und Wärmeentwicklung stark. Weichholz verträgt größere Chiploads als Hartholz. Kunststoff schmilzt bei zu viel Wärme und braucht höheren Vorschub oder schärfere Fräser. Nutze materialtypische Richtwerte als Startpunkt und teste immer kurz.
Schnelle Fehlerbehebung beim Fräsen
Die folgende Tabelle hilft dir, typische Probleme rasch zu erkennen und zu beheben. Sie zeigt Ursache und konkrete Maßnahmen für den schnellen Praxischeck.
| Problem | Vermutete Ursache | Konkrete Lösung |
|---|---|---|
| Ausrisse an Kanten | Zu hoher Vorschub oder falsche Fräsergeometrie | Vorschub reduzieren. In mehreren flachen Durchgängen arbeiten. Schärferen oder profilierten Fräser verwenden. |
| Überhitzung / Schmelzen (z. B. Kunststoff) | Zu hohe Drehzahl oder zu langsamer Vorschub. Schlechte Spanabfuhr | Drehzahl senken oder Vorschub erhöhen. Fräser mit größerem Spanraum nutzen. Zwischenschnitte machen und prüfen. |
| Laute Vibrationen / Welliges Ergebnis | Zu hohe Schnittkraft oder schlechte Einspannung | Vorschub oder Zustellung reduzieren. Werkstück und Werkzeug besser einspannen. Stabileren Fräser einsetzen. |
| Schneller Werkzeugverschleiß | Zu hohe Temperatur oder zu große Spanvolumina | Chipload reduzieren. Drehzahl prüfen. Kühlung oder Schmierstoff bei Metall verwenden. Schärfen oder Fräserqualität prüfen. |
| Rauhe Oberfläche / schlechte Oberflächenqualität | Falsches Chipload oder abgestumpfter Fräser | Chipload optimieren. Feinere Zustellung für das Finish wählen. Fräser wechseln oder nachschärfen. |
Priorisiere zuerst feste Einspannung und einen kurzen Testschnitt. Dann passe Vorschub, Drehzahl und Zustellung systematisch an.
Sicherheits- und Warnhinweise zur Fräsgeschwindigkeit
Risiken falscher Drehzahlen
Zu hohe oder zu niedrige Drehzahlen erhöhen das Unfallrisiko. Bei Handoberfräsen kann es zu Kickback kommen. Der Fräser greift dann schlagartig und reißt die Maschine zur Seite. Werkzeugbruch ist eine weitere Gefahr. Bruchstücke fliegen mit hoher Energie weg. Bei Metallen oder hohem Reibungsaufkommen entstehen Funken und Brandgefahr. Bei Kunststoffen kann falsche Wärmeentwicklung giftige Dämpfe freisetzen. Atemschutz und gute Belüftung sind deshalb wichtig.
Konkrete Schutzmaßnahmen
Trage immer Schutzbrille und Gehörschutz. Nutze eine Absaugung oder lokale Lüftung bei staub- oder dampfenden Materialien. Spanne Werkstück und Werkzeug sicher. Prüfe die Spannweite und benutze den korrekten Spannzangen- oder Spanndorn. Mache vor Serienläufen ein Probefräsen an Reststücken. Achte auf saubere, scharfe Fräser. Schadhafte Werkzeuge sofort auswechseln.
Weitere praxiswichtige Hinweise
Stelle die Drehzahl innerhalb der Herstellerangaben der Spindel und des Fräsers ein. Überschreite keine Maximal-RPM. Schalte die Maschine komplett aus bevor du das Werkzeug wechselst. Halte die Hände vom Schnittbereich fern. Bei Verdacht auf Überhitzung stoppen und Werkstück abkühlen lassen. Teste zunächst konservativ und erhöhe die Parameter schrittweise.
Wichtig: Unbehandelte Risiken wie Kickback, Funkenflug oder giftige Dämpfe können schwere Verletzungen verursachen. Arbeite immer mit persönlicher Schutzausrüstung und kontrollierten Testschnitten.
